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Impfungen

 
      Masern

Es ist eine der klassischen Kinderkrankheiten durch Viren. Einmal durchgemacht führt sie zu lebenslanger Immunität.

 

 

 

 

Krankheit

In unseren Breiten verlaufen die Masern fast immer intensiv aber ohne größere Komplikationen. (Bisherige Erfahrung in der eigenen Praxis: ca 750 Erkrankte). Seit Einführung der Impfungen hat die Häufigkeit deutlich nachgelassen.

Den genauen Krankheitsverlauf können Sie bitte nachlesen unter ...Masern

Impfung
Bei der Masern-Impfung handelt es sich um abgeschwächte, also im Prinzip lebende Viren. Eine Zweitimpfung erfasst Personen, die auf die erste Injektion nicht ausreichend angesprochen haben. Da die fehlende Wirkung häufig auf genetische Ursachen der Geimpften beruht, entwickelt auch hierbei nur jeder zweite einen Schutz.

Zeitpunkte

Von der "Ständigen Impfkommission -STIKO" wird die Erst-Impfung zum/ab dem 11.Lebensmonat empfohlen, die Zweitimpfung zwischen dem 15. und 24.Monat. Prinzipiell ist aber eine Zweitimpfung auch nach längeren Abständen wirksam.

Grundsätzlich kann in jedem Alter, also auch bei Erwachsenen, die Impfung durchgeführt werden. Sie wird von der STIKO (1-malig) empfohlen bei Ungeimpften, bzw empfänglichen Personen und seit 2010 für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen. Vor allem bei Erwachsenen:
in Einrichtungen mit Patientenkontakt
in Gemeinschaftseinrichtungen zB Kindergärten und Schulen.

Die Kassen übernehmen die Kosten allerdings nur bis zum 18.Lebensjahr.

Inkubations-Impfung
Da die Masernimpfung eine schnelle Wirkung aufbaut, kann sie auch als Inkubationsimpfung eingesetzt werden. Das bedeutet, dass sie einen Ausbruch der Erkrankung verhindert, wenn sie spätestens 3 Tage nach Masernkontakt durchgeführt wird (empfohen: MMR).

Kombination

In der Regel zusammen mit Mumps und Röteln (3-fach). Betreffend die gleichzeitige Gabe von 3 Lebend-Viren gibt es natürlich einige Bedenken. Da aber keine einzelne Mumpsimpfung zu erhalten ist, fehlt meist die Alternative.

passive Impfung

Bei Vorerkrankungen wie Abwehrschwäche oder chronisch kranken Kindern nach Krankheitskontakt. Wirksam bis 3 Tage nach Ansteckung. Bis 6 Tage nach Ansteckung noch abgeschwächter Verlauf.

Verträglichkeit

Ca 5% reagiert mit "Impfmasern", das heißt eine abgeschwächte Erkrankung. Sie äußert sich meist in kurzem, hohem Fieber nach ca 7 Tagen. Deshalb sollte der Zeitpunkt der Impfung dementsprechend geplant sein.

Sonstige lokale Schwellungen sind - vor allem bei der Zweitimpfung - möglich und normal.

Starke Komplikationen wie Hirnentzündungen, neurologische Symptome, Allergien, usw, treten meist in den ersten 4 Wochen auf und sind nicht als Einzelfälle anzusehen.

Auch später auftretende Nebenwirkungen sind durch Studien noch nicht ausgeschlossen. Es gibt Hinweise, dass NW gehäufte auftreten wenn man schon früher Masern gehabt hat. Eine Titerbestimmung vor Impfung erscheint bei älteren Jugendlichen/Erwachsenen sinnvoll.

Wirksamkeit
Die Impfversagerquote bei einmaliger Impfung wird auf ca 5-10% geschätzt. Auch ist noch völlig unklar, wie lange der Impfschutz anhält. Somit kann sich das Erkrankungsrisiko in späteres Erwachsenenalter und damit in gefährlichere Bereiche verschieben. Um auch die Impfversager zu schützen wird die Zweitimpfung durchgeführt.

Im ersten Lebensjahr zirkulieren noch viele Antikörper der Mutter im Säugling. Je näher die Impfung an diesen Zeitraum rückt, desto weniger wirksam wird sie.

offizielle Empfehlung
der STIKO (ständigen Impfkommission). Das erklärte Ziel der STIKO ist die Elimination der Masern in Deutschland, Dafür ist eine Impfverbreitung von 95% nötig.

meine Empfehlung
Masern ist eine Kinderkrankheit und sollte wenn schon, dann nur in der Kindheit durchgemacht werden. Rechnet man in den ersten 10Lebensjahren mit einem bleibenden Schaden bei 1 von 10 000 Erkrankten, so verschiebt sich das Risiko bei Erwachsenen auf 1:1000. Bei der letzten Epidemie in Erding (1998) musste ich fast alle betroffenen Erwachsenen stationär einweisen. Somit sind spätestens im 10.Lebensjahr 2 Impfungen fällig. Auch Erwachsene, die oder deren Eltern sich nicht an Masern erinnern können, sollten sich durch die Impfung schützen.

Dennoch einige kritische Gedanken gegen die frühe Impfung: :

Geimpfte Mütter geben keinen Nestschutz an ihre Säuglinge weiter mit dem Risiko einer sehr frühen Erkrankung.

Vielleicht ist das der Grund dafür, dass in den stark schutzgeimpften USA die Erkrankungen mit einem 10fach höheren Hirnhautentzündungs-Risiko einhergehen.

Aus epidemiologischen Gründen wird es trotz / durch die Verbreitung der Masern-Impfung starke Ausbrüche geben, die mit höheren Komplikationsraten Säuglinge, ältere Erwachsene, Ungeimpfte und "Impfversager" betreffen (Erfahrung aus den USA).

Von Impfbefürwortern immer belächelt ist das Argument, das durchgemachte Masern gut für das Immunsystem, die Entwicklung und ein vermindertes späteres Tumorrisiko sind. Mehrere Langzeitstudien ergeben hierfür deutliche Hinweise.

Inzwischen gibt es aber nicht nur medizinische sondern auch soziale Einflüsse auf die Impfungen: Die Epidemie in Coburg von 2002 hat gezeigt, dass ein starker Druck von Seiten der Presse, den Krankenkassen, den reinen Schulmedizinern und vielen Eltern entsteht. Hat man früher die Betroffenen belächelt und bemitleidet ("die Armen"), entstehen jetzt Schuldzuweisungen ("Ihr seid schuld an der Ausbreitung"). Vielleicht ist dieser öffentliche Druck finanzpolitisch gewollt um das Ziel einer 95%igen Durchimpfung zu erreichen.

Einige Kindergärten gehen jetzt dazu über eine Masern-Mumps-Röteln Impfung zu "verlangen". Dies ist aus Sicht der Erzieherinnen auch verständlich, müssen sie doch im Erkrankungsfall die Kritik aller anderen Eltern ertragen. Auch einzelne Kinderärzte spielen sich inzwischen mit dem Gedanken, den Schulbesuch mit einer Pflichtimpfung (Masern, Mumps, Röteln, Diphtherie) zu kombinieren.

Den öffentlichen Druck wird man bei den nächsten Krankheitsfällen in Erding erleben und aushalten müssen. Einige Studien weisen daraufhin, dass durch die breiten Impfprogramme die Komplikationsrisiken für Ungeimpfte deutlich höher sind, als vor Einführung der "Schutzprogramme". Dieses und der sicher mindestens 2 Wochen dauernde Verlauf der Masern führen zu meiner Empfehlung:

eine Impfung mit Auffrischung spätestens kurz vor Schulbeginn, spätestens zum Ende der Kindheit (10.Lebensjahr).

Nachtrag: Von über 1100 Erkrankten in Coburg kamen 43 zur stationären Behandlung mit mittelschweren Komplikationen wie Mittelohr- und Lungenentzündungen. Schwere Fälle, bleibende Schäden, Hirnhautentzündungen oder sogar Todesfälle traten nicht auf. Also alles in allem eine Masernepidemie wie schon seit Jahrhunderten.

 
verantwortlich für den Text: Dr.Ulf Müller, aktualisiert 14.8.2010